Digitale Freizeit verbraucht Strom an drei Stellen gleichzeitig: im Endgerät, in der Übertragung und im Rechenzentrum. Für die eigene Stromrechnung zählt nur der erste Posten - für die Gesamtbilanz alle drei.
Das Endgerät entscheidet über die Rechnung
Der Unterschied zwischen den Geräten ist erheblich. Ein Smartphone zieht beim Videostreaming wenige Watt, ein Tablet etwas mehr, ein Notebook zwischen 20 und 60 Watt. Ein großer Fernseher liegt je nach Diagonale und Panel bei 80 bis 200 Watt, eine aktuelle Spielekonsole unter Last bei 150 bis 200 Watt.
Zwei Stunden Streaming am Fernseher entsprechen damit etwa 0,3 Kilowattstunden, dieselben zwei Stunden am Smartphone einem Bruchteil davon. Wer den Haushaltsverbrauch senken will, wechselt also eher das Gerät als die Nutzungsdauer.
Übertragung und Rechenzentrum
Der Netzanteil pro übertragener Datenmenge ist über die Jahre deutlich gesunken, weil Übertragungstechnik effizienter geworden ist. Gleichzeitig ist das übertragene Volumen gestiegen, was den Effekt teilweise aufhebt. Für die laut Umweltbundesamt entscheidenden CO2-Emissionen ist vor allem relevant, über welchen Anschluss gestreamt wird: Glasfaser und Kabel liegen deutlich unter Mobilfunk.
Rechenzentren wiederum arbeiten mit einer Kennzahl namens PUE, die angibt, wie viel Strom über den reinen Serverbetrieb hinaus für Kühlung und Infrastruktur aufgewendet wird. Moderne Anlagen liegen nahe bei 1,2, ältere deutlich darüber - und der Unterschied ist fast vollständig Klimatechnik.
Eine Stunde Videostreaming in HD auf einem Fernseher liegt inklusive Netz und Rechenzentrum grob bei 0,15 bis 0,25 Kilowattstunden. Auf 4K umgestellt steigt vor allem der Geräteverbrauch, nicht der Netzanteil.
Wo die Klimatechnik ins Spiel kommt
Der Zusammenhang zwischen digitaler Freizeit und Klimatechnik ist direkter, als es zunächst wirkt. Jedes Watt, das ein Gerät im Wohnzimmer aufnimmt, wird zu Wärme im Raum. Ein Fernseher mit 150 Watt und eine Konsole mit 180 Watt heizen den Raum zusammen mit der Leistung eines kleinen Heizlüfters - im Winter willkommen, im Sommer eine zusätzliche Last für die Kühlung.
In der Praxis heißt das: An heißen Abenden arbeitet die Klimaanlage gegen die eigene Unterhaltungselektronik an. Wer das Gerät in einen anderen Raum verlegt oder die Nutzung in kühlere Stunden schiebt, senkt beide Posten gleichzeitig.
Dieselbe Rechnung gilt im Großen für Rechenzentren, deren Kühlbedarf mit der Rechenlast steigt. Anbieter im Bereich digitaler Freizeitangebote betreiben deshalb erhebliche Klimatechnik - unabhängig davon, ob es sich um Videoplattformen, Cloud-Gaming oder um Online Casinos in Deutschland handelt, deren Infrastruktur ebenfalls durchgehend verfügbar sein muss.
Stellschrauben im Haushalt
Vier Punkte wirken messbar. Die Bildschirmhelligkeit senken, weil das Panel den größten Einzelposten eines Fernsehers ausmacht. Auflösung an die Bildschirmgröße anpassen, weil 4K auf einem kleinen Gerät keinen sichtbaren Unterschied bringt. Standby-Verbräuche über eine schaltbare Steckdose beenden, die bei Konsolen und Soundsystemen zusammen mehrere Watt dauerhaft betragen. Und über Kabel oder WLAN statt Mobilfunk streamen.
Zusammengenommen liegt die Ersparnis in einem durchschnittlichen Haushalt im Bereich von 50 bis 120 Kilowattstunden im Jahr. Das ist kein großer Betrag, aber es ist einer, der ohne Komfortverlust zu haben ist.
Für die eigene Einordnung hilft eine einfache Faustregel: Der Verbrauch skaliert mit der Bildschirmdiagonale, nicht mit der Dauer der Nutzung. Zwei Stunden auf dem Smartphone bleiben im Bereich weniger Wattstunden, dieselben zwei Stunden auf einem grossen Fernseher liegen zwei Zehnerpotenzen darüber. Wer den eigenen Verbrauch senken will, wechselt deshalb eher das Gerät als die Gewohnheit.
Warum die Zahlen so weit auseinandergehen
Angaben zum Energieverbrauch digitaler Dienste schwanken zwischen den Quellen erheblich, und das hat einen methodischen Grund. Frühe Studien rechneten den Strombedarf des gesamten Netzes auf das übertragene Datenvolumen um. Das überschätzt den Anteil einzelner Nutzung deutlich, weil ein Großteil der Netzinfrastruktur unabhängig vom Volumen läuft - Router und Verstärker verbrauchen fast dasselbe, ob viel oder wenig übertragen wird.
Neuere Berechnungen trennen deshalb zwischen Grundlast und volumenabhängigem Anteil. Das Ergebnis fällt für Streaming deutlich niedriger aus als in älteren Veröffentlichungen. Wer Zahlen vergleicht, sollte immer prüfen, welcher Ansatz zugrunde liegt und ob das Endgerät mitgerechnet wurde - das ist der Posten, der die Rechnung dominiert.
