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Heizen: Funktionsweise, wirksame Stellschrauben und Wärme ohne Strom

Die wirksamsten Eingriffe an einer Heizung kosten wenig und stehen selten im Angebot: Vorlauftemperatur, hydraulischer Abgleich und Pumpe.

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Heizkörper unter einem Fenster in einem dunklen Raum

Eine Zentralheizung ist ein geschlossener Wasserkreis. Ein Kessel oder eine Wärmepumpe erwärmt das Wasser, eine Pumpe verteilt es, Heizkörper oder Flächen geben die Wärme ab. Fast alle Effizienzfragen laufen auf eine einzige Größe hinaus: die Vorlauftemperatur.

Warum die Vorlauftemperatur alles bestimmt

Sie entscheidet über drei Dinge gleichzeitig. Über den Brennwertnutzen, weil ein Brennwertkessel nur bei niedriger Rücklauftemperatur die Wärme aus dem Abgas zurückgewinnt. Über die Verluste im Rohrnetz, die mit der Temperaturdifferenz zur Umgebung steigen. Und über die Arbeitszahl einer künftigen Wärmepumpe, die bei jedem Grad weniger um etwa 2,5 Prozent besser wird.

Die Heizkurve schrittweise abzusenken, bis es an den kältesten Tagen gerade noch reicht, ist deshalb der Eingriff mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung - und er kostet nichts außer Aufmerksamkeit über eine Heizperiode.

Der hydraulische Abgleich ist die Voraussetzung

Ohne Abgleich bekommen kesselnahe Heizkörper zu viel Wasser und entfernte zu wenig. Ausgeglichen wird das üblicherweise durch eine höhere Vorlauftemperatur - also genau durch die Größe, die man senken will. Der Abgleich ist damit keine Zusatzmaßnahme, sondern die Bedingung dafür, dass alles andere wirkt.

Was im Alltag noch etwas bringt

Heizkörper freistellen, weil Verkleidungen und Vorhänge den Konvektionsanteil abschneiden. Thermostate richtig verstehen: Die Zahlen sind Zieltemperaturen, kein Gaspedal - voll aufdrehen heizt nicht schneller. Und die Umwälzpumpe prüfen, weil eine ungeregelte Altpumpe im Jahr mehr Strom verbraucht als ein Kühlschrank.

Auch die Heizkurve selbst lohnt einen Blick, bevor irgendetwas ausgetauscht wird. Sie legt fest, welche Vorlauftemperatur die Anlage bei welcher Aussentemperatur fährt, und ist in vielen Häusern seit der Inbetriebnahme unverändert - eingestellt auf den Zustand vor der Fenstersanierung. Wird sie schrittweise abgesenkt, jeweils um zwei Grad und mit einer kalten Woche als Probe, findet man den Punkt, an dem die Räume gerade noch warm werden. Jedes Grad darunter senkt den Verbrauch messbar, und die Korrektur kostet nichts ausser Geduld.

Wenn der Strom fehlt

Fast jede moderne Heizung braucht Strom - auch die gasbetriebene, weil Pumpe, Gebläse und Regelung elektrisch arbeiten. Bei einem Ausfall bleibt sie kalt, unabhängig vom Brennstoffvorrat. Was dann noch funktioniert, sind Feuerstätten mit Schornstein und passive Maßnahmen zum Wärmeerhalt.

Lüften richtig gemacht

Beim Lüften wird mehr Energie verschenkt als bei fast jeder anderen Alltagshandlung. Ein dauerhaft gekipptes Fenster kühlt die Laibung und das Mauerwerk aus, ohne die Luft wirksam zu tauschen - und die ausgekühlte Wand muss danach wieder aufgeheizt werden. Stoßlüften über wenige Minuten mit weit geöffneten Fenstern tauscht dieselbe Luftmenge, ohne die Bauteile abzukühlen.

Im Winter reichen dafür fünf Minuten, im Herbst und Frühjahr entsprechend länger. Die Thermostate sollten währenddessen geschlossen sein, sonst heizt die Anlage gegen das offene Fenster - der teuerste Betriebszustand überhaupt.

Ein Punkt, der selten genannt wird, ist die Trinkwassererwärmung. Sie läuft das ganze Jahr und macht in einem gut gedämmten Haus schnell ein Viertel des gesamten Wärmebedarfs aus. Entscheidend sind zwei Grössen: die eingestellte Speichertemperatur und die Frage, ob eine Zirkulationsleitung dauerhaft mitläuft. Eine ungeregelte Zirkulation hält Rohre rund um die Uhr warm und kostet mehr Energie als die eigentliche Warmwassermenge. Eine Zeitschaltung, die sie auf die Morgen- und Abendstunden begrenzt, ist eine der wirksamsten Massnahmen überhaupt.

Wo Dämmung wirklich lohnt

Nicht jede Dämmmaßnahme rechnet sich gleich. Die oberste Geschossdecke ist fast immer der günstigste Eingriff mit der kürzesten Amortisation, weil warme Luft nach oben steigt und die Fläche meist frei zugänglich ist. Kellerdecke und Rollladenkästen folgen. Eine Fassadendämmung ist wirksam, aber teuer und lohnt meist nur, wenn die Fassade ohnehin saniert wird.

  1. KesselWärmeerzeugung
  2. Vorlaufwarmes Wasser
  3. HeizkörperAbgabe im Raum
  4. Rücklaufabgekühlt zurück

Die Spreizung zwischen Vorlauf und Rücklauf zeigt, ob die Anlage richtig eingestellt ist.

Der Heizkreis: Erzeuger, Vorlauf, Heizkörper und Rücklauf als geschlossener Wasserkreislauf.
Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Was bringt eine niedrigere Vorlauftemperatur?

Sie verbessert den Brennwertnutzen, senkt die Rohrverluste und erhöht die Arbeitszahl einer Wärmepumpe um etwa 2,5 Prozent je Grad. Voraussetzung ist ein hydraulischer Abgleich.

Ist Nachtabsenkung sinnvoll?

In schlecht gedämmten Gebäuden deutlich, in gut gedämmten kaum - dort kühlt das Haus ohnehin langsam aus, und das Wiederaufheizen kostet fast so viel wie das Halten.

Funktioniert die Gasheizung bei Stromausfall?

In der Regel nicht. Umwälzpumpe, Gebläse und Regelung brauchen Strom, auch wenn Gas anliegt.

Wie stark kühlt ein Raum bei gekipptem Fenster aus?

Ein dauerhaft gekipptes Fenster kühlt vor allem die Wand um die Leibung aus und lässt die Feuchtigkeit trotzdem nicht schnell genug abziehen. Stosslüften mit weit geöffnetem Fenster tauscht die Luft in fünf bis zehn Minuten aus, ohne dass die Bauteile abkühlen.

Was bringt eine Dämmung der Heizungsrohre im Keller?

Bei ungedämmten Leitungen in unbeheizten Räumen gehen je Meter und Jahr grob 15 bis 25 Kilowattstunden verloren. Auf zwanzig Meter Verteilleitung sind das mehrere Hundert Kilowattstunden für Material im zweistelligen Eurobereich - die kürzeste Amortisation im ganzen Haus.