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Photovoltaik Speicher: Größe berechnen und Nutzen im Jahresverlauf

Ein Speicher verschiebt Strom um Stunden, nicht um Monate. Wer das einpreist, kommt zu einer anderen Größe als die meisten Angebote vorschlagen.

PhotovoltaikLesedauer 9 Min.

Wandmontierter Hausspeicher neben einem Wechselrichter in einem dunklen Technikraum

Ein Photovoltaik Speicher erzeugt keinen Strom, er verschiebt ihn. Sein gesamter Nutzen besteht darin, mittags erzeugte Kilowattstunden abends verfügbar zu machen, statt sie für wenige Cent einzuspeisen. Daraus folgt alles Weitere - vor allem die Größe.

Photovoltaik Speicher Größe: der Rechenweg

Die verbreitete Faustformel lautet: ein Kilowattstunde Speicherkapazität je 1000 Kilowattstunden Jahresstromverbrauch. Ein Haushalt mit 4500 Kilowattstunden landet damit bei 4 bis 5 Kilowattstunden nutzbarer Kapazität.

Die zweite Kontrolle geht über den Abendbedarf: Wie viel Strom wird zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang tatsächlich gebraucht? Bei einem Vierpersonenhaushalt sind das oft 4 bis 7 Kilowattstunden. Ein Speicher, der deutlich größer ist als dieser Nachtbedarf, wird an den meisten Tagen nie leer - und die ungenutzte Kapazität kostet trotzdem.

Orientierung für die Photovoltaik Speicher Größe
JahresverbrauchAnlagenutzbare KapazitätEigenverbrauch ohne / mit
3 000 kWh5-6 kWp3-4 kWhca. 30 % / 55-60 %
4 500 kWh7-9 kWp4-6 kWhca. 30 % / 60-65 %
6 000 kWh9-11 kWp6-8 kWhca. 32 % / 65-70 %
mit Wärmepumpe10-14 kWp8-12 kWhca. 35 % / 55-60 %

Die letzte Zeile ist der wichtige Sonderfall: Mit Wärmepumpe steigt der Verbrauch stark, der Deckungsgrad aber nicht im gleichen Maß - weil der zusätzliche Bedarf im Winter anfällt, wenn die Anlage am wenigsten liefert.

Photovoltaik mit Speicher: was sich im Jahresverlauf ändert

Zwischen April und September ist ein passend dimensionierter Speicher fast jeden Tag voll und abends leer - dort entsteht praktisch der gesamte Nutzen. In der Übergangszeit füllt er sich noch teilweise. Im Dezember und Januar liefert die Anlage so wenig, dass er an vielen Tagen gar nicht erst volllädt.

Wer Photovoltaik mit Speicher für die Heizperiode plant, plant deshalb gegen die Physik. Für die Wärmeseite ist ein größerer Pufferspeicher auf der Wasserseite fast immer die günstigere Lösung: Wärme lässt sich deutlich billiger speichern als Strom, und ein 800-Liter-Puffer nimmt an einem sonnigen Wintertag mehrere Kilowattstunden auf.

Zwei Werte machen Angebote vergleichbar: die nutzbare Kapazität, nicht die Bruttokapazität, und die Zyklenzahl in der Garantie. Ein Speicher mit 10 Kilowattstunden brutto und 80 Prozent Entladetiefe liefert 8 - und genau diese 8 gehören in die Rechnung.

Wann sich der Photovoltaik Speicher rechnet

Die Rechnung hat drei Größen: die Investition, die jährlich zusätzlich selbst genutzte Strommenge und die Differenz zwischen Bezugspreis und Einspeisevergütung. Ein Speicher, der den Eigenverbrauch von 30 auf 62 Prozent hebt, verschiebt bei einer 8-kWp-Anlage mit rund 7600 Kilowattstunden Ertrag etwa 2400 Kilowattstunden pro Jahr aus der Einspeisung in den Eigenverbrauch.

Bei einer Differenz von rund 22 Cent je Kilowattstunde sind das etwa 530 Euro jährlich. Ob sich die Investition daraus trägt, hängt vom Preis je nutzbarer Kilowattstunde ab - und von der Lebensdauer, die üblicherweise über Zyklen und Jahre gemeinsam garantiert wird.

Ob sich ein Speicher rechnet, hängt damit weniger an der Kapazität als am Strompreis und am eigenen Tagesprofil: Je mehr Verbrauch ohnehin in die Nacht fällt, desto kürzer wird die Amortisationszeit.

Notstrom ist nicht gleich Ersatzstrom

Ein häufiges Missverständnis: Ein Speicher versorgt das Haus bei Netzausfall nicht automatisch weiter. Ohne entsprechende Funktion schaltet die Anlage bei Netzausfall ab - aus Sicherheitsgründen, damit niemand am vermeintlich toten Netz arbeitet.

Unterschieden wird zwischen einer einfachen Notstromsteckdose, die eine begrenzte Leistung bereitstellt, und einer Ersatzstromfunktion, die das Hausnetz umschaltet und weiterversorgt. Die zweite Variante kostet deutlich mehr und verlangt zusätzliche Installationstechnik. Wer den Speicher wegen Versorgungssicherheit kauft, sollte das vor der Auswahl klären - nachrüsten ist bei den meisten Systemen aufwendig.

Bei der Auswahl sind zwei technische Angaben wichtiger als die reine Kapazität. Die erste ist die nutzbare Kapazität gegenüber der Nennkapazität: Lithium-Eisenphosphat-Speicher geben typischerweise 90 bis 95 Prozent frei, ältere Zellchemien deutlich weniger. Die zweite ist die Dauerleistung in Kilowatt, denn sie bestimmt, ob der Speicher Backofen und Wasserkocher gleichzeitig tragen kann oder ob der Rest aus dem Netz kommt.

Was den Nutzen mehr steigert als zusätzliche Kapazität

Drei Maßnahmen wirken pro investiertem Euro stärker als ein größerer Speicher. Erstens Verbraucher in die Ertragsstunden legen - Waschmaschine, Spülmaschine, Warmwasser und vor allem die Kühlung laufen mittags. Zweitens eine überschussgeführte Steuerung, die Wallbox oder Heizstab erst zuschaltet, wenn tatsächlich Überschuss anliegt. Drittens die Ost-West-Ausrichtung, wo möglich: Sie liefert insgesamt etwas weniger, verteilt den Ertrag aber über den Tag - und genau das ersetzt einen Teil der Speicherfunktion.

  • Ohne Speicherrund 30 %
  • 5 kWhrund 55 %
  • 10 kWhrund 70 %
  • 15 kWhrund 76 %

Der Zugewinn wird mit jeder weiteren Kilowattstunde kleiner.

Eigenverbrauchsanteil in Abhängigkeit von der Speichergrösse.
Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Wie groß sollte ein Photovoltaik Speicher sein?

Als Faustwert eine Kilowattstunde nutzbare Kapazität je 1000 Kilowattstunden Jahresverbrauch. Die Gegenprobe ist der Nachtbedarf: Ein Speicher, der deutlich größer ist als er, wird an den meisten Tagen nie leer.

Hilft der Speicher im Winter?

Kaum. Im Dezember und Januar lädt er an vielen Tagen nicht einmal voll. Für die Heizperiode ist ein größerer Pufferspeicher auf der Wärmeseite die günstigere Lösung.

Läuft das Haus bei Stromausfall weiter?

Nur mit Notstrom- oder Ersatzstromfunktion. Ohne sie schaltet die Anlage bei Netzausfall aus Sicherheitsgründen ab. Nachrüsten ist bei den meisten Systemen aufwendig.

Wie lange hält ein Hausspeicher?

Übliche Garantien nennen 10 Jahre oder eine feste Zahl von Vollzyklen, oft 6.000 bis 10.000, mit einer Restkapazität von etwa 80 Prozent. Bei einem Zyklus je Tag ist die Zyklenzahl selten die Grenze - meist läuft die Zeitgarantie zuerst aus.

Was ist der Unterschied zwischen nutzbarer und Nennkapazität?

Die Nennkapazität ist der eingebaute Wert, die nutzbare der Teil, der tatsächlich entnommen werden darf, damit die Zellen nicht tiefentladen werden. Bei Lithium-Eisenphosphat sind das rund 90 bis 95 Prozent. Vergleichbar sind nur die nutzbaren Werte.