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Smart Home Klimasteuerung: Heizen und Kühlen automatisiert steuern

Automatisierung spart keine Energie. Sie sorgt dafür, dass Geräte nicht laufen, wenn sie niemand braucht - und das ist etwas anderes.

Smart HomeLesedauer 6 Min.

Bedienung einer Heizungssteuerung über eine App am Smartphone

Eine Smart Home Klimasteuerung verspricht Einsparungen zwischen zehn und dreißig Prozent. Diese Spanne stimmt - aber sie hängt fast vollständig davon ab, wie schlecht vorher gesteuert wurde. In einem Haushalt, der ohnehin nachts absenkt und bei Abwesenheit abschaltet, bleibt wenig übrig.

Was Automatisierung tatsächlich einspart

Belastbare Analysen zu Smart Home Heizungssteuerung zeigen dabei durchweg dasselbe Muster. Der Effekt entsteht an drei Stellen. Erstens durch Zeitprogramme, die Absenkphasen zuverlässig einhalten, statt sie zu vergessen. Zweitens durch Anwesenheitserkennung, die den Betrieb bei leerer Wohnung zurückfährt. Drittens durch Einzelraumregelung, die selten genutzte Räume nicht mitheizt.

Keiner dieser drei Punkte macht ein Gerät effizienter. Sie verkürzen nur die Laufzeit - und genau deshalb ist die Ersparnis in schlecht gesteuerten Haushalten groß und in gut gesteuerten klein.

Sensorik, die etwas bringt

Fensterkontakte sind die wirksamste Einzelkomponente. Sie stoppen Heizung oder Kühlung, sobald gelüftet wird, und verhindern damit den teuersten Betriebszustand überhaupt: ein Gerät, das gegen ein offenes Fenster arbeitet. Ein Thermostat mit reiner Temperaturerkennung merkt das erst mit Verzögerung.

Temperatur- und Feuchtesensoren pro Raum liefern die Grundlage für eine sinnvolle Einzelraumregelung. Ohne sie regelt die Steuerung nach einem einzigen Referenzraum, was in Wohnungen mit unterschiedlicher Ausrichtung regelmäßig danebengeht.

Anwesenheitserkennung über das Mobiltelefon funktioniert für Berufstätige mit regelmäßigem Rhythmus gut. In Haushalten mit wechselnden Zeiten produziert sie mehr Fehlschaltungen als Ersparnis.

Vor jeder Automatisierung steht die Hydraulik. Eine Heizung ohne hydraulischen Abgleich lässt sich nicht sinnvoll regeln, weil einzelne Räume gar nicht auf Sollwerte kommen. Eine Steuerung darüber verwaltet dann nur ein Problem, statt es zu lösen.

Runder Wandthermostat in einem dunklen Flur
Fensterkontakte sind die wirksamste einzelne Komponente einer Steuerung.

Kühlbetrieb automatisieren

Beim Kühlen liegt der größte Hebel im Vorlauf des Tages. Eine Steuerung, die anhand der Wettervorhersage bereits am Vormittag sanft zu kühlen beginnt, hält den Raum mit deutlich weniger Energie auf Temperatur als eine, die am Nachmittag gegen 29 Grad anläuft.

Die zweite Automatisierung mit klarem Nutzen ist die Kopplung an den Sonnenschutz. Rollläden, die bei direkter Einstrahlung automatisch fahren, verhindern Wärmeeintrag, bevor er im Raum ankommt - das ist wirksamer als jede nachträgliche Kühlung.

Kopplung an die eigene Erzeugung

Wer eine Photovoltaikanlage hat, kann den Betrieb an den Überschuss koppeln. Die Steuerung startet die Kühlung, sobald mehr erzeugt als verbraucht wird, und senkt die Zieltemperatur um ein bis zwei Grad unter den Sollwert. Das Gebäude speichert diese Kühle und trägt sie in den Abend.

Dieselbe Logik funktioniert im Winter mit einem Pufferspeicher auf der Wärmeseite. Beides verschiebt Verbrauch in die Erzeugungsstunden, ohne dass eine Batterie nötig wäre - und beides braucht eine Steuerung, die den Zählerstand kennt.

Wo die Ersparnis überschätzt wird

Drei Punkte tauchen in Herstellerrechnungen regelmäßig zu optimistisch auf. Absenkung über Nacht bringt in gut gedämmten Gebäuden weniger als in schlecht gedämmten, weil dort ohnehin kaum Wärme verloren geht. Einzelraumregelung spart nur, wenn Räume tatsächlich ungenutzt bleiben. Und die Amortisationsrechnung berücksichtigt selten den Stromverbrauch der Steuerung selbst, der bei vielen Komponenten im Dauerbetrieb ins Gewicht fällt.

Eine ehrliche Einschätzung: In einem durchschnittlichen Bestandshaushalt liegt die realistische Ersparnis bei zehn bis fünfzehn Prozent der Heizenergie, und der größte Teil davon kommt von Fensterkontakten und einem verlässlichen Zeitprogramm - nicht von der App.

Was sich im Haushalt tatsächlich steuern lässt

Smart Home wird meist auf die Heizung verkürzt. Tatsächlich hängt am selben System eine Reihe von Verbrauchern, und der Nutzen entsteht erst, wenn sie voneinander wissen.

Steuerbare Verbraucher und was die Automatisierung bringt
GerätWomit es geschaltet wirdWofür es sich lohnt
HeizkörperthermostateFunkthermostat je RaumAbsenkung nach Zeitplan, Stopp beim Lüften
KlimaanlageInfrarot-Brücke oder WLAN-ModulVorkühlen in den Ertragsstunden statt am Abend
Rollläden und MarkisenRohrmotor mit FunkempfängerVerschatten, bevor die Sonne den Raum aufheizt
BeleuchtungLeuchtmittel oder SchaltaktorAnwesenheitssimulation, Abschalten beim Verlassen
Waschmaschine, Spülerschaltbare Steckdose oder GerätefunktionStart bei Solarüberschuss
WallboxÜberschussregelung über den ZählerLaden mit eigenem Strom statt aus dem Netz
WarmwasserHeizstab oder WärmepumpenregelungSpeicher füllen, wenn Überschuss anliegt

Die Reihenfolge ist dabei nicht beliebig. Wirkung entsteht dort, wo ein Gerät entweder viel Energie zieht oder viel Energie verhindert - also bei Rollläden, Klimaanlage, Wallbox und Warmwasser. Beleuchtung und Steckdosen sind Komfort, kein Sparposten.

Systemwahl und Herstellerbindung

Die Entscheidung für ein Ökosystem ist langlebiger als die für einzelne Geräte. Wer sich auf ein herstellergebundenes System festlegt, bekommt eine reibungslose Einrichtung und verliert die Freiheit, einzelne Komponenten später auszutauschen. Offene Funkstandards wie Zigbee, Z-Wave oder Matter erlauben gemischte Installationen, verlangen dafür aber eine eigene Zentrale und mehr Einarbeitung.

Ein Punkt wird dabei regelmäßig unterschätzt: Was passiert, wenn der Anbieter den Cloud-Dienst einstellt? Systeme, die ohne Internetverbindung weiterarbeiten, behalten ihre Grundfunktion auch dann. Rein cloudgebundene Thermostate werden in diesem Fall zu gewöhnlichen Ventilen - was funktioniert, aber die Automatisierung beendet.

  1. SensorTemperatur, Präsenz
  2. RegelZeit und Zustand
  3. SteuerungZentrale
  4. AktorVentil, Gerät
  5. Wirkungweniger Laufzeit

Eine Automatisierung spart nur, wenn sie etwas abschaltet - nicht, wenn sie nur anzeigt.

Die Kette einer Automatisierung: Sensor, Regel, Steuerung, Aktor und die tatsächliche Wirkung.
Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Lohnen sich smarte Thermostate wirklich?

In Haushalten ohne Zeitprogramm ja, dort liegt die Ersparnis bei zehn bis fünfzehn Prozent. Wer ohnehin absenkt und bei Abwesenheit abschaltet, holt deutlich weniger heraus.

Was ist die wirksamste einzelne Komponente?

Fensterkontakte. Sie verhindern den teuersten Betriebszustand überhaupt - ein Gerät, das gegen ein offenes Fenster arbeitet.

Kann eine Steuerung an die Photovoltaik gekoppelt werden?

Ja, über die Überschussmessung am Zähler. Die Kühlung startet, sobald mehr erzeugt als verbraucht wird, und legt die Kühle als Vorrat in die Gebäudemasse.

Funktioniert die Steuerung ohne Internet weiter?

Das hängt am System. Lokal arbeitende Standards wie Zigbee oder Matter behalten ihre Regeln auch ohne Verbindung, cloudgebundene Geräte fallen dagegen auf Handbetrieb zurück. Für Heizung und Kühlung ist das ein hartes Auswahlkriterium: eine Regelung, die bei Netzstörung ausfällt, ist keine Regelung.

Was passiert bei einem Stromausfall mit den Einstellungen?

Zeitpläne und Regeln liegen im Speicher der Zentrale und überstehen den Ausfall. Was verloren geht, ist der Zustand der Aktoren: motorische Ventile und Rollläden bleiben stehen, wo sie waren. Nach dem Wiederanlauf lohnt der Blick, ob die Zentrale den Ist-Zustand tatsächlich neu ausgelesen hat.